Interview mit Christian Weyers: "Wir haben in Krefeld einzigartige Möglichkeiten!"

Als die Pinguine Supporters im Frühjahr 2010 auf einer Pressekonferenz im BusinessClub des KönigPALAST den versammelten Krefelder Medienvertretern das Konzept einer Zuschauerbeteiligung an der KEV Pinguine Eishockey GmbH vorstellten, wurde dies von den Gesellschaftern als auch in der Öffentlichkeit sehr kritisch betrachtet. Etwas mehr als zwei Jahre später hat sich das „Modell“ der Pinguine Supporters bewährt. Als erste Zuschauervertretung im deutschen Profisport hat man Anteile an einer Spielbetriebsgesellschaft erworben und stellt mit Christian Weyers einen gewählten Vertreter im Gesellschafterkreis, der zudem seit Frühjahr 2012 auch Mitglied im Aufsichtsrat der GmbH ist.

Frage: Herr Weyers, warum haben sich die Pinguine Supporters 2010 gegründet ?
CW: Ursprung waren sicherlich eine hohe Unzufriedenheit aufgrund der sportlichen Situation bei den Zuschauern gegen Ende des Jahres 2009, die sich teilweise auch in Protestaktionen und Unmutsäußerungen von einzelnen enttäuschten Personen oder Gruppen entlud. Wir haben damals festgestellt, dass mit Protesten nichts zu erreichen ist, sich die Fronten eher verhärten. Da kam die Idee selber mit anzufassen und selber mit zu gestalten, so entwickelten wir die Idee sich an der GmbH zu beteiligen und Zuschauerinteressen in den Gesellschafterkreis zu tragen.

Frage: Wie sieht das konkret aus, was leisten die Pinguine Supporters für das Krefelder Eishockey ?
CW: Der Vereinszweck ist auf drei Säulen aufgebaut. Neben der Interessenvertretung der Zuschauer bei den KEV Pinguinen sind das auch noch die Themen Nachwuchsförderung und Traditionspflege. Unserer Meinung nach sehr wichtig, denn Geld ist in Krefeld nicht in ausreichender Menge vorhanden, um ein Spitzenteam zusammenzustellen. Aber wir haben eine der besten Nachwuchsabteilungen in Deutschland und einen Standort mit einer einzigartigen Tradition. Wir möchten diese unbezahlbaren Ressourcen unterstützen, pflegen und nutzen für die Krefelder Eishockeyfamilie - und damit letztendlich auch für die Pinguine, das sportliche Aushängeschild der Stadt.

Frage: Konkret, nennen Sie uns einige Beispiel für die Aktivitäten der Pinguine Supporters!
CW: In meiner Tätigkeit als gewählter Vertreter im Gesellschafterkreis und im Aufsichtsrat fühle ich mich insbesondere als Sprachrohr für den Zuschauer der Pinguine. Ich nehme ständig die Wünsche und Bedürfnisse auf, sei es aus dem Vorstand, den Mitgliedern oder dem Zuschauer, der mich im Umlauf des KöPa einfach anspricht. Da geht es weniger um operative Themen, die Aufgabe der Geschäftsführung sind, sondern eher um konzeptionelle Dinge und eine grundsätzliche Ausrichtung. Der Vorstand der Pinguine Supporters um Heinz-Peter Brux ist mit den aktiven Mitgliedern ständig bemüht durch verschiedene Aktionen das Krefelder Eishockey finanziell und durch aktive Hilfe zu unterstützen. Beispielsweise durch die kürzlich präsentierte „Ehrhoff-Bande“, tatkräftige Unterstützung bei den Feierlichkeiten zum 75-jährigen Jubiläum des Krefelder Eissports oder einfach nur durch eine Spende für die Busfahrt der Bambinimannschaft zu einem Turnier in Berlin. Insgesamt haben wir dem Krefelder Eissport in den vergangenen zwei Jahren an verschiedenen Stellen dadurch über 30.000 € zukommen lassen. Das Betätigungsfeld ist sehr vielfältig, Hilfe wird immer benötigt. Grundsätzlich stehen wir immer im Spannungsfeld dem Krefelder Eishockey zu helfen, keine vertraulichen Informationen weiterzugeben, dem Informationsinteresse unserer Mitglieder gerecht zu werden und uns auch nicht ständig marktschreierisch zu betätigen.

Frage: Zu Beginn der bestand nicht nur im Gesellschafterkreis eine große Skepsis den Pinguine Supporters gegenüber, insbesondere bzgl. vertraulicher Informationen an die Öffentlichkeit gehen könnten?
CW: Auch als Vertreter der Pinguine Supporters unterliege ich den gleichen Rechten und Pflichten wie jeder andere Gesellschafter, d.h. vertrauliche Informationen kann, darf und werde ich niemals nach außen tragen. Das Misstrauen diesbzgl. auf Gesellschafterebene haben wir Stück für Stück abbauen können, andernfalls hätte man mich sicherlich nicht gebeten im Aufsichtsrat mitzuwirken. Die Mitglieder geben mir durch die erneute Wahl in diesem Sommer das Vertrauen in „ihrem Sinne“ zu agieren. Auf den regelmäßigen Treffen der Pinguine Supporters stehe ich immer als Ansprechpartner zur Verfügung und beantworte auch Fragen, soweit diese keine sensiblen Themen betreffen.

Frage: Wird man da von den Gesellschaftern nicht automatisch zu sehr vereinnahmt und verliert den kritischen Blick aus Sicht des Zuschauers, also die eigentliche Aufgabe eines Vertreters ?
CW: Ganz und gar nicht ! Meine Aufgabe ist es weder alles ständig in Frage zu stellen, noch die Dinge blind durchzuwinken. Wenn es erforderlich ist, äußere ich im Gesellschafterkreis als auch im Aufsichtsrat meine Meinung im Sinne der Zuschauer und des Krefelder Eishockeys. Dabei wurde durchaus auch schon laut und kontrovers diskutiert, am Ende konnte man aber immer eine realisierbare und tragfähige Entscheidung getroffen werden. Sowohl mein Stellvertreter Thomas Wengel als auch ich haben das Gefühl dabei als Ansprechpartner auf Augenhöhe wahrgenommen und geschätzt zu werden. Unser Rat und unsere Meinung sind zunehmend mehr gefragt.

Frage: Haben Sie Ihrer Meinung nach schon etwas bewirkt im Krefelder Eishockey?
CW: Sicherlich sind wir nicht angetreten die Krefelder Eishockeywelt von einem auf den anderen Tag zu ändern, das können wir nicht leisten. Unsere Aufgabe ist es stetig und mit der entsprechenden Sorgsamkeit kleine Stellschrauben so zu verändern, dass wir auch in den kommenden Jahren Eishockey auf DEL-Niveau in Krefeld bewundern können. Einerseits durch die Tätigkeit im Gesellschafterkreis als auch im Aufsichtsrat, viel wichtiger aber durch viele kleine Dinge, die unsere engagierten Mitglieder ohne Aufsehen leisten. Ohne falsche Bescheidenheit: Die Sensibilität für die Belange des Zuschauers haben wir spürbar steigern können bei den Verantwortlichen, und die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Jubiläum des Krefelder Eishockeys hätte es ohne die Unterstützung der Pinguine Supporters höchstwahrscheinlich nicht gegeben.

Frage: Stichwort Konzept 2015 – wie stehen die Pinguine Supporters dazu ?
CW: Wichtig ist, dass die Verzahnung des KEV81 und der Krefeld Pinguine noch enger und intensiver gelebt wird. Das wird zukünftig überlebenswichtig, da wir nicht über Milliardenschwere Mäzene oder Konzerne verfügen, die Geld in unbegrenzter Menge zur Verfügung stellen wie z.B. in Berlin oder Mannheim. Wir haben mit dem KEV81, der Oberliga, den drei Eishallen auf einer Straße, dem Berufskolleg Vera-Beckers, dem Gymnasium Horkesgath und dem Internat im Marianum einzigartige Möglichkeiten im deutschen Eishockey, um die uns alle anderen beneiden. Das muss zukünftig noch weiter optimiert werden. Das haben auch die Gesellschafter erkannt, die einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des KEV81 und der Oberligamannschaft als Schnittstelle zur DEL leisten. Das haben und werden wir von Seiten der Pinguine Supporters immer unterstützen, egal ob das Konzept2015 genannt wird oder nicht. Wichtig ist die Überzeugung es zu tun.

Frage: Was versprechen sich die Supporters von der Nachwuchsförderung ?
Das ist insbesondere eine Frage der Erwartungshaltung. Wir werden weiterhin die TOP-Positionen im Kader durch Ausländerlizenzen besetzen müssen, das steht außer Frage. Aber ein Kader besteht aus über 20 Spielern, und zumindest in der dritten und vierten Reihe sollten wir uns der eigenen Ressourcen bedienen. Dies ist einerseits preisgünstiger und führt vor allem zu einer deutlich höheren Identifikation der Zuschauer mit der Mannschfat un der Organisation. Die jungen Wilden Kretschmann, Klöpper und Orendorz zeigen doch, dass es funktioniert. Wir brauchen nur etwas Geduld, und die ist auf Seiten der Zuschauer grundsätzlich vorhanden. Wenn sich dann noch alle 2-3 Jahre einer der Jungs wie Daniel Pietta entwickelt ist das doch ganz hervorragend.

Frage: Kritische Stimmen behaupten, die Pinguine Supporters wären nichts anderes als ein konkurrierendes Fanprojekt?
CW: Das möchte ich klar verneinen. Das Fanprojekt existiert seit vielen Jahren und ist eine sehr wichtige Institution im Krefelder Eishockey. Was das Team für die Krefelder Fanszene und auswärtige Gäste leistet ist unverzichtbar. Die Aufgaben und die Philosophie der Pinguine Supporters sind ganz anders ausgerichtet. Wir tauschen uns auf Vorstandsebene regelmäßig aus und haben die Aufgaben klar definiert und abgegrenzt, da gibt es keinerlei Kompetenzgerangel. Bei manchen Dingen arbeiten wir auch sehr kooperativ zusammen, so zum Beispiel bei der Becherpfandaktion zugunsten des KEV81, bei der wir gemeinsam über 1.000 € einsammeln konnten. Eine ähnliche Aktion ist schon wieder angedacht.

Frage: Die Pinguine Supporters erheben keinen Mitgliedsbeitrag, wäre es nicht sinnvoller eine regelmäßigen Betrag zu erheben, der dem Krefelder Eishockey hilft?
CW: Diese Frage wird uns oft gestellt! Aber: Wir sind im Jahr 2010 angetreten mit dem Versprechen keine Mitgliedsgebühren zu erheben, sondern nur eine einmalige Aufnahmegebühr - und da stehen wir zu unserem Wort. Wir finanzieren uns im Wesentlichen durch die Aufnahmegebühren und Spenden, daher sind wir für jedes weitere Mitglied dankbar, irgendwann wollen wir einmal die tausend vollmachen. Falls die jährliche Mitgliederversammlung einmal beschließt doch jährliche Beiträge zu erheben, ändert dies natürlich die Sachlage.

Frage: Viele Zuschauer finden die Aktivitäten der Pinguine Supporters durchaus positiv, scheuen aber die Mitgliedschaft aus Angst davor im Falle einer Insolvenz der Pinguine in der Haftung zu stehen?
CW: Das ist natürlich vollkommen ausgeschlossen, und dies haben wir natürlich auch vor der Vereinsgründung eingehend juristisch prüfen lassen. Es gibt definitiv keine Nachschusspflicht der Gesellschafter, auch nicht im Falle einer Insolvenz.

Frage: Abschließende Frage – hat sich Ihr persönlicher Blick auf die Organisation KEV Pinguine Eishockey GmBH in der zweijährigen Tätigkeit verändert?
In jedem Fall, insbesondere mein Respekt vor den handelnden Gesellschaftern Schulz, Borgmann und Berten. Ohne das persönliche und finanzielle Engagement der Herren wäre Eishockey in Krefeld schon lange nicht mehr realisierbar – davor ziehe ich den Hut!

Interview mit Christian Weyers in der Rheinischen Post am 21.11.2012

Quelle: Rheinische Post vom 21.11.2012

 

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Hockey-Talk am 9.11.2017